Ansprache internationaler Gottesdienst am 5. Juni 2012 Uta Giesel: Hochschulpastorin & Leiterin der ESG

Liebe Studierende und Mitarbeitende,

was heute hier geschieht, ist etwas Besonderes. Es könnte aber auch eine Selbstverständlichkeit sein. Denn international wird an HAWK und Uni schon lange gearbeitet. Die Wissenschaft ist wie die Politik und die Wirtschaft auf weltweiten Austausch angewiesen. Und auch die Kirche kennt das.

Seit dem Pfingstfest wird die Botschaft von Jesus Christus in allen Ländern der Erde verkündet. Die Kirche ist international.

„Inter“ ist Latein und bedeutet „zwischen / mitten unter“. Wenn es eine christliche Grammatik gäbe, wäre die Präposition „inter“ als erste zu lernen. Sie beschreibt nämlich auch eine göttliche Bewegung: Gott kommt mitten unter die Menschen. Er begibt sich in Jesus Christus zwischen sie, wird einer von ihnen, hat Inter-esse an ihnen. Wo Menschen sich in seinem Namen versammeln, ist er mitten unter ihnen.

Nun gibt es aber ein menschliches Problem. Die Menschen lieben zwar Gemeinschaft, aber sie lieben auch die Grenzen. Sie sind gern unter sich, in der Gruppe oder Familie. Das Fremde ist bedrohlich für sie. Sie haben Angst vor dem Unbekannten und verschließen sich ihm darum gerne.

Wir kennen das alle: Neue Nachbarn, neue Kollegen, neue Kommilitonen werden erstmal vorsichtig beäugt. Aus Sorge um das eigene Wohlergehen, werden Fremde unter uns kritisch oder sogar feindselig beäugt. Die Berichte der Studierenden eben zeigen, dass es uns allen einmal so gehen könnte, am Rande zu stehen, nicht dazu zu gehören und dadurch erstmal in Schwierigkeiten zu sein.

Auch Gott ist in der Vorstellung vieler Menschen ein Gott der Gruppe oder des Volkes. Er gehört zu den Guten, das sind wir, und nicht zu den Schlechten, das sind die anderen.
Und so kommt es, dass Jesus mit seiner neuen Art des Inter-esses an den Menschen seine Umwelt stark provoziert hat. Jesus sah in jedem Menschen ein Kind Gottes, sei er Jude, sei sie Frau, Ausländerin, sei er krank oder Angehöriger einer anderen Religion.

Dieses Inter-esse hat ihn schließlich ans Kreuz gebracht. Doch es war ja göttliches Interesse und insofern unzerstörbar. Die Christen verstanden, dass ihr Glaube Grenzen überwinden und international werden sollte.

Heute zeigen die Kirchen und christlichen Gemeinschaften, welch eine Bereicherung es ist, weltweit und international verbunden zu sein.

Das wollen wir heute hier an der HAWK ausdrücken: Es ist wunderbar zu sehen und zu hören, dass wir zusammen gehören in der Vielfalt der Sprachen. Es ist schön zu hören, dass ausländische Studierende hier Gastfreundschaft und Hilfe erfahren. Wir werden alle reicher von ihren Geschichten und Erfahrungen, ihren Bräuchen und ihrer Art, die Welt zu verstehen.

Wie Paulus schrieb: Der Körper hat viele Glieder. Viele Gaben kommen in einer
Gemeinschaft zusammen, die gemeinsam für die Verbesserung der Welt eingesetzt werden können. Und das wollen wir schließlich alle: Eine lebenswerte Welt, in der sich Frieden und Gerechtigkeit immer mehr durchsetzen.

Es ist der Geist des christlichen Glaubens, der da weht, wo Menschen einander annehmen und ihr Häuser und Herzen für Fremde öffnen. Dann sind sie schon bald keine Fremden mehr und keine Bedrohung, sondern Geschenk der Vielfalt.

Hildesheim hat mit den vielen internationalen Studierenden gutes Potential für diesen Geist. Möge das, in Gottes Namen, so bleiben!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere menschliche Vernunft, der bewahre
unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

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